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BIM Abwicklungsplan (BAP): Alles was du wissen musst für erfolgreiche BIM Projekte
In einem BIM-Projekt beginnt das Chaos, wenn es keine klaren Regeln gibt: Jede Fachplanung modelliert nach eigenen Vorstellungen, die Abgaben stimmen nicht überein und die Koordination wird zur Herausforderung.
Typische Probleme entstehen nicht durch fehlende Software, sondern durch fehlende Regeln. Um das zu vermeiden, gibt es ein zentrales Werkzeug: den BIM Abwicklungsplan (BAP), auch bekannt als BIM Execution Plan (BEP).
Dieses Dokument ist das organisatorische Herzstück eines BIM-Projekts. Es legt fest, welche Informationen erzeugt werden müssen, wie, mit welchen Tools, in welchem Format und wann. In diesem Artikel erfährst du, was ein BAP ist, was er enthalten sollte und wie du ihn erfolgreich umsetzt, inklusive aller wichtigen Punkte zur Einhaltung der ISO 19650 und zur Erfüllung der Auftraggeberanforderungen.
Inhaltsverzeichnis
3.1. Modellstruktur: Disziplinen, Teilmodelle und Referenzpunkte
1. Was ist der BIM Abwicklungsplan (BAP)?
Der BAP ist ein technisches Dokument, das definiert,wie der BIM-Prozess und die modellbasierte Planung im Projekt umgesetzt werden. Er wird als Antwort auf die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) erstellt. Wenn der AIA festlegt, was benötigt wird, definiert der BAP wie diese Informationen erstellt und übergeben werden.
Gleichzeitig bildet er einen zentralen Bestandteil der Informationsmanagementstruktur im Projekt gemäß ISO 19650. Lies mehr dazu im Artikel: ISO 19650: AIA und BAP
Der BAP ist dabei nicht nur ein vertragliches Dokument, sondern ein zentrales operatives Arbeitswerkzeug im Projektalltag. Er dient allen Projektbeteiligten als gemeinsame Grundlage für Modellierung, Datenaustausch, Koordination und Qualitätssicherung.
Außerdem ist der BAP kein abgeschlossenes Dokument. Er ist ein Live-Dokument, das während des gesamten Projekts aktualisiert werden muss, um Änderungen in Prozessen, Abgaben, Tools oder Teams zu reflektieren.
Bevor das Projekt richtig startet, empfiehlt es sich, einen Testlauf mit einem Teilmodell durchzuführen. Damit wird überprüft, ob die im BAP definierten Prozesse, insbesondere die Interoperabilität der Modelle und das Issue Management, zwischen allen Fachplanern wie geplant funktionieren. So kann man frühzeitig technische Probleme erkennen und beheben.
2. Warum ist ein BAP unverzichtbar?
Ein gut strukturierter BAP stellt sicher:
Einen klaren und transparenten Workflow
Weniger Fehler, Missverständnisse und Nacharbeit
Höhere Kontrolle über Qualität, Zeit und Kosten
Einhaltung von Kundenanforderungen und BIM-Normen
Effektive interdisziplinäre BIM-Koordination
Ohne BAP arbeitet jede Fachplaner für sich. Mit BAP arbeiten alle gemeinsam, zielgerichtet.
3. Was enthält ein BIM Abwicklungsplan (BAP)?
Der genaue Inhalt hängt von Land, Kunde und Projekttyp ab. Ein vollständiger BAP enthält in der Regel:
Projektinformationen inkl. Kontaktangaben der Projektbeteiligten
BIM Ziele des Projekts und BIM-Anwendungsfälle
Rollen und Verantwortlichkeiten (RACI-Matrix). Eine ausführliche Erklärung findest du im Artikel zu den BIM Rollen.
Modellstruktur mit Disziplinen, Geschossen, Modellaufteilung, Projekt-Nullpunkt, Georeferenzierung und Kontrollkörpern
Modellierungsrichtlinien: Namenskonventionen, Einheiten, Kodierung und Toleranzen
Verwendete BIM Software und Versionen je Fachplaner
CDE-Plattform und Issue-Management-System
Informationsanforderungen und Abgaben pro Meilenstein
Qualitätssicherungs und Prüfprozesse
Terminplan für Abgaben und Koordinationsmeetings
LOI / LOG - Anlage
SuD Workflow (Schlitz- und Durchbruchplanung) - Anlage
Brauchst du Hilfe bei der Ausarbeitung deines BIM‑Abwicklungsplans?
Ich unterstütze dich gerne Schritt für Schritt.
3.1 Modellstruktur: Disziplinen, Teilmodelle und Referenzpunkte
Die Modellstruktur definiert, wie die digitalen Modelle innerhalb des Projekts organisiert sind. Sie legt fest, welche Disziplinen, Geschosse, Teilmodelle und Referenzpunkte verwendet werden und wie diese miteinander verknüpft sind. Eine klare Modellstruktur ist entscheidend, um:
Konflikte zwischen Fachplanungen zu vermeiden
Effiziente Koordination und Qualitätsprüfung zu ermöglichen
Die Übergabe der Modelle an Auftraggeber und andere Projektbeteiligte zu standardisieren
Im BAP werden in der Regel folgende Punkte festgelegt:
Disziplinen (z. B. Architektur, TGA, Statik, Landschaft, Fassade, Innenarchitekten). Für TGA werden in der Regel separate Modelle pro Gewerke erstellt, z. B. Lüftung, Heizung, Sanitär, Elektro, Sprinkler, jedes mit eigener Benennung
Benennung und Positionierung der Geschosse
Modellaufteilung in Teilmodelle, falls notwendig.
Architektur: Gesamtes Modell oder in separate Teilmodelle für Räume oder Innenausbau
TGA: Modelle pro Gewerk
Alle Disziplinen können zusätzlich nach Stockwerk, Gebäudeabschnitt oder Nutzungseinheit weiter unterteilt werden, wenn nötig
Projekt-Nullpunkt und Georeferenzierung
Kontrollelemente wie Kontrollwürfel oder Pyramiden, um Abweichungen zu prüfen
Eine gut definierte Modellstruktur bildet die Grundlage für die modellbasierte Planung, Koordination und die Erstellung konsistenter, prüfbarer Modelle.
3.2. Modellierungsrichtlinien: Dateinamen, Toleranzen und Standards
Die Modellierungsrichtlinien legen fest, wie die digitalen Modelle erstellt, benannt und geprüft werden, um eine konsistente, koordinierbare und prüfbare Basis für alle Projektbeteiligten zu gewährleisten. Im BAP werden unter anderem folgende Punkte definiert:
Maximale Dateigröße für Austauschmodelle: z. B. 150 MB, um eine effiziente Handhabung, Austausch und Koordination zu ermöglichen.
Dateinamenkonvention: Einheitliche Benennung der Modelle und Teilmodelle, z. B.
TGA_ELT,ARC_RAU, damit alle Beteiligten sofort erkennen, welches Modell welche Inhalte enthält.Modelltoleranzen: Festlegung zulässiger geometrischer Abweichungen, um Konflikte frühzeitig zu erkennen und die Modellqualität sicherzustellen.
Modellierungsstandards für Fachgewerke: Regeln, wie TGA-, Architektur- oder Statikmodelle modelliert werden sollen.
Diese Richtlinien sorgen dafür, dass alle Modelle konfliktfrei koordiniert, überprüft und problemlos zusammengeführt werden können.
3.3. Abgaben, LOI und IFC Standards
Abgaben pro Meilenstein
Die Modellabgaben werden pro Meilenstein definiert und mit dem Terminplan des Projekts abgestimmt. Für jeden Meilenstein wird festgelegt, wie viele Modelle übergeben werden, wie diese aufgeteilt sind und welche Disziplinen betroffen sind.
Die Abgabetermine werden so gewählt, dass eine fachliche und geometrische Koordination der Modelle möglich ist und ausreichend Zeit für Prüfungen und Anpassungen vor dem nächsten Planungsschritt bleibt.
LOI Anhang
Ein Anhang legt den Informationsgrad (LOI) pro Element fest:
Welche Attribute notwendig sind
In welchen Property Sets (Psets) diese erscheinen müssen
In welcher Projektphase die Informationen erforderlich sind
IFC Standards
Der BAP muss definieren:
Mit welchen Exporteinstellungen die Modelle erstellt werden
In welchen Formaten geliefert wird (nur IFC oder auch DWG oder native Formate)
Welche IFC Version verwendet wird (z. B. IFC2x3, IFC4)
3.4. BIM Koordination und Modellprüfung
Austauschfrequenz und Koordinationssitzung
Der BAP definiert:
Intervall für Modellaustausch z.B jede Woche
Koordinationssitzung und Koordinationsprüfung z.B jede 1 mal pro Monat
Projektmeilensteine und Abgabefristen
Qualitätsprüfung
Zwei Prüfschritte sind unerlässlich:
Ausgangsprüfung durch Fachkoordinator:in vor der Abgabe
Eingangsprüfung durch die Gesamtkoordinator:in nach Erhalt
So wird sichergestellt, dass nur geprüfte, konsistente Modelle weiterverwendet werden.
Diese Schritte sind schnelle Prüfungen jedes Modells durch die Fachkoordinator:innen, bevor der/die Gesamtkoordinator:in die föderiertes Modell koordiiniert(Modellkoordination eines zusammengeführten Modells) durchführt.
3.5. SuD Prozess: Schlitz und Durchbruchplanung
Ein zentrales Thema im BAP ist der SuD Prozess – die Planung von Öffnungen in Wänden, Decken und Bauteilen für Leitungen und Installationen.
Hierbei wird geregelt:
Wo Öffnungen platziert werden müssen
Wer sie modelliert (Architektur, TGA, Statik)
Mit welchen Parametern (Geometrie und Information)
Wie die Freigabe und Validierung erfolgt
Lies hier mehr: SuD im BIM Prozess erklärt
3.6. Software, Versionen und Datenaustausch
Software und Versionen
Jede Fachplanung gibt an:
Mit welcher Software gearbeitet wird
Welche Version genau verwendet wird
Welche IFC Exportkonfiguration genutzt wird
Auch die Tools des Gesamtkoordinators werden dokumentiert, um die Kompatibilität sicherzustellen.
3.7. CDE und Issue Management
Der BAP legt fest:
Welche CDE Plattform für das Projekt verwendet wird
Ob das Issue System separat ist und wie es funktioniert
Den Workflow zur Erstellung, Bearbeitung und Schließung von Issues
Mehr dazu im Artikel: CDE im BIM
FAQ BIM-Abwicklungsplan (BAP)
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BIM Abwicklungsplan: Der Schlüssel zu klarer Zusammenarbeit
Der BIM Abwicklungsplan (BAP) ist weit mehr als nur ein Dokument. Er ist das Rückgrat der BIM Zusammenarbeit. Er legt fest, wie gearbeitet, was geliefert und wie Qualität gesichert wird.
Ein gut aufgesetzter BAP ist entscheidend für den Projekterfolg. Wenn du Unterstützung brauchst bei der Erstellung, Prüfung oder Anpassung deines BAPs. Melde dich gern bei mir oder besuche meine Website.
Der BIM Abwicklungsplan (BAP) basiert auf klar definierten Grundlagen und eine der wichtigsten davon ist die ISO 19650. Diese internationale Norm bildet das Fundament für strukturierte Informationsprozesse im gesamten Projektverlauf. Wenn du wissen möchtest, wie du die Anforderungen aus dem AIA in einen praxistauglichen BAPübersetzen kannst und welche Rolle die ISO dabei spielt, dann schau dir hier meinen Artikel ISO 19650 einfach erklärt an. So kannst du dein BIM-Projekt von Anfang an richtig aufstellen.
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